Damals in Lippe

Geschichten von früher.

Archiv für den Monat “März, 2015”

Noch einmal Fische fangen

Auch als wir schon 10- bis 12-jährig waren, gingen mein Freund Richard und ich noch hin und wieder in den Ermgasser Wald. Wir sagten dann nur, wir gehen „ins Holz“. Der Holzkampbach, der durch den Wald floss, war des Öfteren unser Hauptziel. Wir nannten ihn „unsere Windwehe“. Er war für Kinder nicht sehr gefährlich, da er nicht sehr tief war. An einigen Stellen, wo der Bach eine Art Kurve machte, hatte das Wasser etwas mehr Erde weggespült. In diesen Kurven hielten sich die größeren Fische auf, wenn noch welche da waren. Hier konnten sie sich leichter zurückziehen und waren dann geschützter. Der Fischbestand war mit den Jahren nicht mehr groß – aber richtig groß war er ja nie. Wir hatten Glück, wenn wir noch einige sahen. Das Fangen von Fischen war fast vorbei, aber eines Tages hatten wir Glück. Wir waren am unteren Bachlauf. Richard lag in einer „Kurve“ auf dem Bauch und wollte sehen, ob sich zwischen den Wurzeln eines Baumes, der am Wasser stand, eventuell noch Fische befanden. Ich ging weiter am Bach entlang, bis plötzlich Richard rief: „Erwin, komm schnell, ich habe eine Forelle, ich kann sie nicht mehr lange halten!“ Nichts wie hin. Er hatte die Forelle mit der Hand auf den Bachboden gedrückt. Weil der Fisch zu groß war, konnte er ihn nicht ganz umfassen. Mit vereinten Kräften haben wir ihn ans Ufer gekriegt. Wir hatten in unserer Zeit noch nie so einen „Kaventsmann“ gefangen. Wir wollten seine Länge messen, aber wir hatten keinen Zollstock. Die Länge des Fisches betrug aber zwei Holzschuhlängen, das waren nach unserer Schätzung 40 cm. Unser Glück war, dass kein Mensch in der Nähe war. Wir wussten ja, dass das Fischen verboten war. Jetzt aber so schnell wie möglich nah Hause, die Forelle unter den Pullover und weg. Die Mutter von Richard hat sie, wie schon früher, für uns – auch für sich selbst – gebraten. Erst viel später habe ich meinen Eltern von diesem Fang erzählt. Dieser Fang war unser größter während der Kindheit. Aber von Kindheit kann man eigentlich gar nicht mehr sprechen, wenn man schon bald die Schule verlässt. Jedenfalls hatten die Fische, die noch im Bach waren, jetzt vor uns Ruhe.

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Damals in Lippe… in English!

Prefer to read these in English? No problem, just go here: A German Youth.

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