Damals in Lippe

Geschichten von früher.

Die neue Straße durchs Holzkamp

Nach dem Hochwasser von 1928 musste einiges repariert oder erneuert werden. Zum Beispiel mussten die Rohre, die den Bach unter der Straße durchließen, vergrößert werden. Hier war ja die Brücke, über die die Straße führte. Man beschloss im Gemeinderat, Rohre mit einem Durchmesser von 100 cm zu verlegen, damit eine weitere Überschwemmung ausgeschlossen werden konnte. Dazu musste die Brücke aber neu gemacht werden. Es war auch beschlossen worden, die Straße durch das Holzkamp zu erneuern, da sie in keinem gutem Zustand war.

Es dauerte nicht lange, da wurde mit der Arbeit begonnen. Die Brücke wurde mit Betonrohren versehen. Dann nahm man die Straße, die von der Grester Straße bis durch das Holzkamp führte, in Angriff. Eine Gleisanlage für Lorenwagen wurde verlegt; damit wurden die Steine für die Brücke und Straße transportiert. Für die Arbeit wurden Arbeitslose eingestellt, von denen es in der schlechten Zeit damals viele gab.

Das alles war für uns Kinder sehr aufregend. Vor allem die Lorenwagen waren für uns etwas ganz Neues. Die Steine, jeder etwa so groß wie ein Fußball, mussten noch zerkleinert werden. Hierfür bekamen die Arbeiter einen kleinen Hammer mit einem langen Stiel, so dass man im Stehen den Stein in kleine Stücke zerlegen konnte. Diese wurden zum Ausfüllen der Lücken benötigt. Das war mühselige Arbeit.

Wenn dann Feierabend war, wurden die Lorenwagen am tiefsten Punkt der Bahn abgestellt. Ein dicker Stock wurde zwischen die Räder gesteckt, damit sich der Wagen nicht selbstständig machen konnte. Wenn die Arbeiter Feierabend hatten und nach Hause gingen, haben wir Kinder uns die Wagen genau angesehen. Das waren Wagen, bei denen man die Ladefläche nach zwei Seiten kippen konnte. Jetzt kamen einige von den „Großen“ auf die Idee, mit dem Lorenwagen zu fahren. Wir hatten ja gesehen, dass die Wagen nicht abgeschlossen wurden. Jetzt wurde beschlossen, einen Wagen wieder zurück bis zur Grester Straße zu schieben, um dann den „Berg“ runter ins Holzkamp zu fahren.

Jetzt waren alle Kinder – wir waren ungefähr zu zehnt – aufgefordert, zusammen den Wagen zur Grester Straße zu schieben. Hierbei durften wir kleinen Kinder sogar mitschieben. Mit großer Mühe haben wir die Lore nach oben geschafft.

Nun sollte die Talfahrt beginnen. In die Ladefläche wollte keiner. Die Großen stellten sich dann auf den äußeren Rahmen. Dann „durften“ wir Kleinen den Wagen anschieben. Da ja ein Gefälle da war, wurde der Wagen bald von selbst schneller, und es brauchte nicht mehr geschoben werden.

Nur an Bremsen hatte keiner mehr gedacht, der Wagen wurde immer schneller. Da die „Großen“ auf dem Rahmen es mit der Angst bekamen, sprangen sie kurz vor Ende der Strecke vom Wagen. Der sauste immer schneller zum Ende der Schienenstrecke und sprang dort aus den Schienen. Er kippte natürlich und stürzte – ich glaube, in die Wiese von August Schewe.

Wir konnten den Wagen nicht wieder auf die Geleise bringen. Ausreißen konnten umso schneller. Die Angst saß uns im Nacken. Es war zwar nichts kaputt gegangen, aber am anderen Tag war die Hölle los. Die Arbeiter mussten die Lore mit ein paar Männern wieder auf die Schienen heben. Einen Tag danach haben die Männer die Lorenwagen dann mit Kette und einem Schloss versehen. Wir haben uns ein paar Tage nicht mehr sehen lassen.

An einem der nächsten Tage mussten wir Holzkämper uns in der Schule eine gewaltige Standpauke anhören. Woher die Lehrer von dieser „Talfahrt“ mitbekommen hatten, wurde uns nicht bekannt. Wir waren noch einmal ohne Blessuren davongekommen.

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